16.10.2026 – Newsletter-Beiträge – #3/2026

ZxB Zinshäuser leichter klimafit machen

Mit dem Forschungsprojekt ZxB – Zinshaus x Baugruppe wurde ein neuer Ansatz für eine zentrale Herausforderung österreichischer Städte entwickelt: Wie kann der private, vielfach über 100 Jahre alte Mietwohnungsbestand klimafit gemacht werden, ohne dass Sanierungsdruck zwangsläufig zu Verkauf, Parifizierung oder zum Verlust langfristig leistbaren Wohnraums führt?

Allein in Wien bestehen rund 13.500 noch nicht parifizierte Zinshäuser. Gleichzeitig erschweren niedrige Bestandsmieten, hohe Bau- und Finanzierungskosten, komplexe Eigentumsverhältnisse und unsichere Förderbedingungen notwendige Investitionen. ZxB setzt genau an dieser Lücke an. Das Projekt entwickelt kooperative Sanierung als zusätzliche Handlungsoption zwischen klassischer Vermietung und Verkauf: Eigentümer:innen, Bestandsmieter:innen und Baugruppen können Verantwortung, Finanzierung und langfristige Nutzung eines Hauses neu verteilen. Damit wurde kein einzelnes Sanierungsprodukt entwickelt, sondern eine übertragbare Methodik, die technische, wirtschaftliche, rechtliche, steuerliche, organisatorische und soziale Fragen zusammenführt.

Schwierigkeiten durch Kooperation umgehen

Für Städte eröffnet ZxB einen neuen Zugang zur Dekarbonisierung des besonders schwierigen privaten Mietwohnungsbestands. Gerade dort reichen klassische Förder- und Beratungsangebote häufig nicht aus, weil das Mieter:innen-/Vermieter:innen-Dilemma, geringe Erträge und fehlendes Eigenkapital Investitionen verhindern. Kooperative Modelle können zusätzliche Ressourcen und langfristig engagierte Akteur:innen mobilisieren.

Gleichzeitig verbindet der Ansatz Klimaschutz mit Bestandserhalt, Leistbarkeit und sozialer Stabilität. Historische Gebäude können als zusammenhängende Mietshäuser erhalten und energetisch weiterentwickelt werden, anstatt durch Verkauf und Parifizierung einem zunehmenden Verwertungsdruck ausgesetzt zu werden. Gemeinschaftlich organisierte Bewohner:innen können darüber hinaus Verantwortung für Gebäude und gemeinschaftliche Räume übernehmen und damit stabile Nachbarschaften und resiliente Quartiere unterstützen. Die entwickelten Leitfäden machen diesen Ansatz für Eigentümer:innen und Baugruppen praktisch zugänglich.

Von der Theorie in die Praxis

Der wesentliche Mehrwert des Forschungsprojekts liegt darin, aus einer bislang weitgehend theoretischen Idee einen strukturierten und anschlussfähigen Lösungsansatz gemacht zu haben. Mit Generalmiete und Baurecht wurden konkrete Kooperationsmodelle vertieft; Rechts-, Steuer- und Finanzierungsfragen geklärt; Kalkulations- und Entscheidungsinstrumente entwickelt; ein vollständiger Entwicklungsprozess beschrieben und das Wissen in zwei praxisorientierten Leitfäden gebündelt. Die Begleitung realer Häuser zeigte zugleich sehr konkret, wo heutige Rahmenbedingungen eine Umsetzung noch verhindern – etwa bei niedrigen Bestandsmieten, Finanzierung, Förderung oder komplexen Eigentumsstrukturen. Diese Erkenntnisse sind auch für die Weiterentwicklung öffentlicher Instrumente relevant.

ZxB schafft damit eine Grundlage, um Klimaschutzinvestitionen im privaten Gebäudebestand auszulösen, österreichische Wertschöpfung im Sanierungssektor zu stärken, historisch wertvollen Gebäudebestand zu erhalten und gleichzeitig langfristig leistbares Wohnen und stabile Nachbarschaften zu unterstützen.

Das Projekt wurde im Zuge der Smart Cities Initiative des Klima- und Energiefonds gefördert.

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