Tief unter der Erdoberfläche liegt ein ungenutztes Potenzial für die Wärmeversorgung Österreichs. Allein die erste Wiener Tiefengeothermie-Anlage in Aspern mit einer geplanten Leistung von 25 MWth soll zukünftig bis zu 25.000 Haushalte mit Wärme versorgen und zeigt, wie klimaneutrale Alternativen die Abhängigkeit von importiertem Gas verringern können. Das technisch nutzbare Gesamtpotenzial in Österreich liegt geschätzt bei mindestens 1.000 MWth und ist somit um ein Vielfaches größer. Damit könnten bundesweit hunderttausende Wohneinheiten von fossilem Gas befreit werden.
Dass dieses Potenzial zunehmend in den Fokus rückt, zeigt sich an den aktuellen Entwicklungen rund um die Tiefengeothermie. Die Weichen für eine einfachere Nutzung dieser emissionsfreien und lokal verfügbaren Energiequelle sind gestellt: Der Nationalrat hat sich im April dieses Jahres einstimmig für einen verstärkten Ausbau der Geothermie ausgesprochen. Gleichzeitig wird derzeit der rechtliche Rahmen für die Umsetzung von Tiefengeothermieprojekten weiterentwickelt. Mit dem Erneuerbaren-Ausbau-Beschleunigungsgesetz sowie der geplanten Novellierung des Mineralrohstoffgesetzes sollen Genehmigungs- und Umsetzungsprozesse künftig vereinfacht werden.
Ein Beitrag zu Österreichs Unabhängigkeit von fossilen Energieträgern
Der Klima- und Energiefonds hat bereits 2024 durch seine Förderung von Projekten in unterschiedlichen Entwicklungsphasen – von der Vorstudie bis zur Pilotbohrung – dazu beigetragen, wirksame Projekte im Bereich der Tiefengeothermie zur Dekarbonisierung von Wärmenetzen vermehrt in die Umsetzung zu bringen. Durch das Programm konnten für die Projektentwicklung wesentliche Informationen über das im Untergrund verborgene Energiepotenzial und dessen Nutzung in unterschiedlichen Regionen Österreichs gesammelt werden. So können die Risiken einer Tiefenbohrung reduziert und das Potenzial dieser wichtigen Ressource gehoben werden. Einige Vorzeigeprojekte aus der letzten Ausschreibung zeigen, wie erfolgreich die Tiefengeothermie in den Bundesländern bis hin zur Umsetzung gestaltet wird:
Vorstudie – Wärmeversorgung Stadtwerke Klagenfurt
Tiefengeothermieprojekte dauern vom Start erster Untersuchungen bis zur potenziellen tatsächlichen Energieproduktion viele Jahre: Zu Beginn steht das Zusammentragen bestehender Informationen zu den Gegebenheiten unter Tage und den energiewirtschaftlichen Rahmenbedingungen über Tage. Die Stadtwerke Klagenfurt haben sich zum Ziel gesetzt, die Fernwärmeversorgung, welche aktuell 30.000 Haushalte versorgt, in den nächsten Jahren vollständig auf 100% erneuerbare Energieträger anzuheben und dieses Niveau langfristig zu halten. Das Potenzial der tiefengeothermischen Energie wurde dafür in Form einer geförderten Vorstudie geprüft. Aufbauend darauf wird aktuell eine Machbarkeitsstudie inklusive einer passiven Seismik durchgeführt. Dabei erfassen 320 vergrabene Seismometer auf 630 km2 im Raum Klagenfurt und 22 weitere Gemeinden im Klagenfurter Becken natürliche Bodenschwingungen. Erste Messergebnisse werden Ende 2026 eine entscheidende Basis für weitere Planungen und Entwicklungen liefern. Somit kann die Förderung von Vorstudien die wesentliche Grundlage für eine nachhaltige Wärmeerzeugung bilden und einen entscheidenden Anreiz für den Start in eine erweiterte Machbarkeitsstudie bzw. Exploration sein.
Machbarkeitsstudie und Exploration – EVN Niederösterreich
Um die Fernwärmeversorgung im Industrieviertel nachhaltig mit Geothermie zu dekarbonisieren und den Biomassebedarf zu senken, plant die EVN zwei Tiefengeothermie-Anlagen mit 200 bis 300 GWh jährlicher Wärmeproduktion. Als Fundament für weiterführenden Untersuchungen diente die Förderung des Klima- und Energiefonds. Im Zuge einer Machbarkeitsstudie wurde für das südliche Wiener Becken auf Basis publizierter Quellen und Archivdaten ein geologisches Modell entwickelt sowie erste wirtschaftliche und rechtliche Analysen durchgeführt. Ergänzend wurde im Steinbruch Rohrbach eine Erkundungsbohrung zur Charakterisierung der hydrogeologischen Eigenschaften des Zielreservoirs durchgeführt. Die gewonnenen Bohrkerne wurden in Zusammenarbeit mit der Universität Wien und der Montanuniversität Leoben im Labor untersucht. Dabei konnten viele relevante Parameter getestet werden, die für die geothermische Nutzung des Reservoirs wesentlich sind. Darauf aufbauend kartiert die EVN nun mittels 240 Geophonen wasserführende Schichten auf 220 km². Das resultierende Untergrundmodell bildet eine wesentliche Entscheidungsgrundlage für die Auswahl künftiger Anlagenstandorte und unterstützt das Ziel, bis 2035 beide Anlagen an die Naturwärmenetze anzuschließen.
Pilotbohrung deeep – Wien Aspern
Ein weiteres Projekt gewährt wertvolle Einblicke in die zentralen Phasen der erfolgreichen Umsetzung einer Tiefengeothermieanlage. Mit der ersten Wiener Tiefengeothermieanlage in Aspern erschließt das Joint Venture deeep GmbH (Wien Energie GmbH und OMV AG) ein natürliches Heißwasservorkommen in einer Gesteinsschicht namens Aderklaaer Konglomerat, etwa 3.000 Meter unter der Erdoberfläche. Das Projekt soll dazu beitragen die städtische Fernwärme nachhaltig zu dekarbonisieren und Wiens Unabhängigkeit von fossilen Importen entscheidend voranzutreiben. Die Fördertests übertrafen dabei die Erwartungen: Mit 104 ° Celsius anstatt der prognostizierten 100° Celsius steigt die thermische Leistung der Anlage inklusive Wärmepumpen auf 25 Megawatt. Ab der geplanten Inbetriebnahme im Jahr 2029 können so rund 25.000 Wiener Haushalte – um 5.000 mehr als erwartet – klimaneutral mit Wärme aus 3.000m Tiefe versorgt werden.
Wie geht es jetzt weiter?
Die Projekte verdeutlichen, welches Potenzial in einer fundierten Datengrundlage und einer umfassenden Untersuchung des Untergrunds steckt. Wo Erkenntnisse vorliegen, können Entscheidungen getroffen und Projekte auf einer soliden Basis aufgebaut werden. Auch neue rechtliche Rahmenbedingungen schaffen Potenziale die Tiefengeothermie künftig besser zu nutzen. Durch die Förderungen des Klima- und Energiefonds wurden Grundlagen geschaffen, die Investitionsentscheidungen erleichtert haben und die Nutzung von Tiefengeothermie beschleunigen. Auf vorhandenen Erfahrungen kann aufgebaut werden, um die Tiefengeothermie in Österreich weiter voranzubringen und die Bundesländer bei ihren energie- und klimapolitischen Zielen zu unterstützen.