16.10.2026 – Newsletter-Beiträge – #3/2026

Die Best-Practice-Energiegemeinschaften 2026

Energiegemeinschaften sind zu einem integralen Bestandteil unserer Energiewirtschaft geworden. Obwohl die unterschiedlichen Modelle erst 2021 eingeführt wurden, sind mit Ende 2025 bereits 6.898 Erneuerbare-Energie-Gemeinschaften in Betrieb gewesen, hinzu kommen an die 1.200 Bürgerenergiegemeinschaften und etwa 5.400 gemeinschaftliche Erzeugungsanlagen. Anhand dieser hohen Gründungszahlen kann festgestellt werden: Energiegemeinschaften sind gekommen, um zu bleiben! Nun gilt es, das volle Nutzenpotential entfalten zu lassen. Energiegemeinschaften sollen nicht nur weiterwachsen, sondern auch zur optimalen Integration erneuerbarer Stromerzeugung, zur Dekarbonisierung anderer Energiesektoren und zur Netzentlastung beitragen.

Genau hier setzte der Wettbewerb „Best Practice Beispiele Energiegemeinschaften 2026“ an: Gesucht wurden bereits umgesetzte Projekte, die mit innovativen Ansätzen zeigen, welches Potenzial in Energiegemeinschaften steckt. Im Mittelpunkt standen dabei technologische, ökologische, soziale und energiewirtschaftliche Innovationen – von der Einbindung von Speichern, Wärme und Mobilität über regionalwirtschaftlichen Nutzen und Ressourcenschonung bis hin zu neuen Beteiligungsmodellen, der Einbindung unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen oder innovativen energiewirtschaftlichen Lösungen.

Aus über 30 Einreichungen wählte eine Fachjury der österreichischen Arbeitsplattform Energiegemeinschaften, bestehend aus den Energieberatungsstellen der Bundesländer und der österreichischen Koordinationsstelle für Energiegemeinschaften, fünf Gewinner:innen aus. Bei der Bewertung standen insbesondere der Umsetzungsgrad der Innovationen, ihre Multiplizierbarkeit sowie die Erkenntnisse aus der praktischen Umsetzung im Vordergrund.

Die fünf ausgezeichneten Energiegemeinschaften wurden beim Regionaltreffen Energiegemeinschaften am 18. September 2026 prämiert. Zusätzlich wurde mit jeder Gewinnerinitiative ein eigenes Video produziert, das ihre besonderen Ansätze, Erfahrungen und Lösungen vorstellt.

Der rechtliche Rahmen für das in Österreich so erfolgreiche Modell der Energiegemeinschaften entwickelt sich weiter und mit 1. Oktober 2026 traten die Bestimmungen für die „gemeinsame Energienutzung“ im Elektrizitätswirtschaftsgesetz in Kraft, die einige Neuerungen für EGs mit sich bringen. Zusammen mit der im Klimafonds angesiedelten Österreichischen Koordinationsstelle für Energiegemeinschaften wird das Modell weiterhin mit einem breiten Informationsangebot und der Fortführung des Förderprogramms unterstützt – angepasst an die neuen rechtlichen Rahmenbedingungen und daher mit neuem Namen: Gemeinsame Energienutzung und Innovationen für eine optimierte Systemintegration 2026.

BEG ÖWG Solar Heaven (Graz)

Die BEG ÖWG SOLAR HEAVEN verbindet gemeinschaftliche Erzeugungsanlagen in Wohngebäuden mit einer liegenschaftsübergreifenden Bürgerenergiegemeinschaft und ermöglicht damit auch Mieter:innen und Wohnungseigentümer:innen ohne eigene PV-Anlage die Nutzung erneuerbarer Energie. Als erstes rechtssicher umgesetztes BEG-Modell im gemeinnützigen Wohnbau kombiniert sie kostenlosen Sonnenstrom vom eigenen Hausdach mit günstigem BEG-Strom. Die Erlöse aus den ÖWG-PV-Anlagen fließen zurück in die Refinanzierung, Erhaltung und Verbesserung der Wohngebäude.

7Energy – Bürgerenergiegemeinschaft für erneuerbaren Strom (österreichweit)

7Energy ist eine österreichweiten Bürgerenergiegemeinschaft und kombiniert dabei Photovoltaik, Wind- und Wasserkraft. Eine eigene Prognose- und Optimierungsplattform steuert die Energieverteilung datenbasiert und berücksichtigt Regionalität, Fairness und unterschiedliche Erzeugungs- und Verbrauchsprofile. Zusätzliche Modelle wie der Zero-Tarif und Anreize für die Einspeisung aus Batteriespeichern erweitern die gemeinschaftliche Nutzung erneuerbarer Energie.

EEG Enns (Oberösterreich)

Die EEG Enns setzt auf besondere Bürgernähe und bindet durch Sprechstunden, Hausbesuche und gezielte Beratung auch Mieter:innen, ältere Menschen und Menschen mit Migrationshintergrund aktiv ein. Bürgerbeteiligungsprojekte ermöglichen die Teilnahme auch ohne eigene PV-Anlage, während demokratische Preisgestaltung und Spezialtarife für netzdienliche Einspeisung dazu beitragen, den regional erzeugten Strom besser innerhalb der Gemeinschaft zu nutzen.

EEG Guntramsdorf (Niederösterreich)

Die EEG Guntramsdorf verbindet lokale und regionale Erneuerbare-Energie-Gemeinschaften sowie Gemeinschaftliche Erzeugungsanlagen in einem gemeinsamen System und ermöglicht damit eine möglichst lokale Nutzung des erzeugten Stroms. Eine eigens entwickelte Softwareplattform nutzt Verbrauchs-, Erzeugungs- und Wetterprognosen zur Steuerung der Energieflüsse. Ergänzt wird das Modell durch anreizbasierte Tarifmodelle, digitale Services und persönliche Energieberatung vor Ort.

EEG SmartCity Baumgarten (Wien)

Die EEG SmartCity Baumgarten verbindet erstmals Strom- und Wärmewende in einem dicht bebauten urbanen Bestandsquartier. Ein liegenschaftsübergreifendes Anergienetz wird mit umfassender Gebäudesanierung, Wärmepumpen, Photovoltaik und Wärmespeichern kombiniert. Die lokale Anergie-EEG, eine gemeinschaftliche Erzeugungsanlage und regionale Solar-EEGs für einen Großteil von Penzing greifen dabei zu einem sektorgekoppelten Gesamtsystem ineinander.

 

Von guten Beispielen lernen

Die fünf ausgezeichneten Projekte zeigen, wie vielfältig Energiegemeinschaften bereits heute umgesetzt und weiterentwickelt werden können. Ihre Erfahrungen und Lösungsansätze sollen auch andere Energiegemeinschaften inspirieren, neue Wege zu gehen und das Potenzial gemeinsamer Energienutzung weiter auszuschöpfen.

Wir gratulieren allen Gewinner:innen und bedanken uns bei allen Energiegemeinschaften, die ihre Projekte und Erfahrungen im Rahmen des Wettbewerbs eingereicht haben!

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