Der Frühling kehrt langsam zurück, die Tage werden länger, die Sonnenstrahlen spürbar wärmer – und mit ihnen wächst die Vorfreude auf den Sommer. Sommer bedeutet allerdings für städtische Gebiete eine höhere Hitzebelastung als für das ländliche Umland. Denn in dicht bebauten Gebieten steigen die Luft- und Oberflächentemperaturen in den Sommermonaten deutlich stärker an als am Land.
Das Bewusstsein für diesen sogenannten städtischen Wärmeinseleffekt (UHI, Urban-Heat-Island-Effekt) hat in der Vergangenheit zugenommen. Gleichzeitig ist das Bewusstsein für die negativen Auswirkungen von Bodenversiegelung und dichter Bebauung in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Dennoch wird das Problem nach wie vor häufig auf die innerstädtischen Kerne reduziert. Genau hier setzt das geförderte ACRP-Projekt INTERFERE an. INTERFERE untersucht, wie sich strategische Raumplanung im Umland der Stadt Graz, den Vororten und Siedlungen im Stadt-Umland auf das lokale Klima während Hitzewellen auswirkt, wobei der Fokus auf den Entwicklungen der jeweiligen Gebiete liegt.
Hitze kennt keine Stadtgrenzen
Der Trend zur Zersiedelung bleibt speziell im „Speckgürtel“ großer Städte ungebrochen, was auch in der Stadtregion Graz und ihrem Umland zu beobachten ist. Neue Wohnsiedlungen (bislang vor allem Einfamilienhäuser), Gewerbe- und Industrieflächen sowie der Ausbau von Straßen- und Schienennetzen nehmen zunehmend unbebaute Grünflächen in Anspruch. Diese fortschreitende (Sub-)Urbanisierung bleibt jedoch nicht ohne Folgen: Mit jeder versiegelten Fläche verändern sich die lokalen klimatischen Bedingungen, sowie das Klima der umliegenden Räume. Die Verdichtung und Versiegelung in diesem Gebiet wird sich stark auf das lokale Mikroklima der Stadtumlandgemeinden auswirken, könnte aber zusätzlich das gesamte Stadtgebiet einschließlich des Stadtzentrums beeinflussen (z.B. durch die Beeinträchtigung von Kaltluftproduktions- und abflussflächen). Daher werden die folgenden Aspekte analysiert:
- Auswirkungen von Wachstum und Verdichtung im Grazer Umland auf Mikro- und Stadtklima (heute und in Zukunft)
- Simulation dieser Effekte auf unterschiedlichen Skalen mit regionalen und stadtklimatischen Modellen
- Quantifizierung des Anpassungspotenzials von Grün- und Blauflächen
- Bewertung strategischer Raumplanung zur Reduktion von Versiegelung und Stärkung von klimarelevanten Ökosystemleistungen
Erster Einblick in die Ergebnisse von INTERFERE
Erste Modellergebnisse des Forschungsprojekts zeigen, dass es während Hitzewellen bei weiterer unkontrollierter Versiegelung in den Umlandgemeinden von Graz zu einer zusätzlichen lokalen Erwärmung von cs. 2 °C in der Nacht kommen wird (siehe Abb. 1).
Wie Entscheidungen heute das Klima von morgen prägen
INTERFERE untersucht die Auswirkungen der Zersiedelung ebenso wie das Potenzial einer strategischen Raumplanung systematisch und quantitativ. Grundlage dafür sind verschiedene Raumentwicklungsszenarien bis zum Jahr 2040. Diese Szenarien basieren auf regionaler und lokaler Raumplanungsexpertise, bestehenden Mobilitäts- und Flächennutzungsplänen sowie dem aktiven Austausch mit lokalen und regionalen Interessensgruppen. Die so entwickelten Zukunftsbilder werden in ausgewählte Klimamodelle integriert, um messbar zu machen, wie unterschiedliche Planungsentscheidungen das lokale Mikroklima in den stadtregionalen Siedlungsräumen beeinflussen.
Der Endbericht ist demnächst über die Projektdatenbank des Klima- und Energiefonds des Klima- und Energiefonds abrufbar und bietet detaillierte Einblicke in die Ergebnisse von INTERFERE.