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Klein, aber oho: Zwei Mikro-ÖV-Projekte gewinnen VCÖ-Mobilitätspreis Burgenland

Doppelsieg: „Dorfschattl-Schattendorf“ und Mikro-ÖV Konzept des Landes Burgenland sind die diesjährigen Preisträger

Seit 2005 verleihen der Verkehrsclub Österreich und Landeshauptmann Hans Niessl den VCÖ-Mobilitätspreis Burgenland an besonders innovative Verkehrsprojekte. Die Auszeichnung geht heuer unter dem Motto „Mobilität und Transport 2025+“ gleich an zwei Projekte im Öffentlichen Verkehr: Das „Dorfschattl-Schattendorf“ und das Konzept „Mikro-ÖV“ des Landes Burgenland und der Mobilitätszentrale. Lokale und kleine regionale Öffentliche Verkehrssysteme („Mikro-ÖV Systeme“) sind sinnvolle Ergänzungen in der regionalen Mobilitätsversorgung und bieten kleinräumige, flexible und nutzerorientierte Alternativen für den Nahverkehr im ländlichen Raum. Das Burgenland ist auf diesem Gebiet Vorreiter.

„Wir haben in vielen Bereichen eine Reihe von innovativen Projekten gestartet. Dazu gehören auch die Mikro-ÖV-Konzepte, die es schon in einigen Gemeinden des Landes gibt. Es freut mich, dass diese Konzepte sehr gut angenommen werden“, hob Landeshauptmann Niessl bei der Überreichung des VCÖ-Mobilitätspreises hervor. ÖBB-Postbus-Regionalmanager Alois Ometzberger gratuliert den Gewinnern und ergänzt: „Die ÖBB sind bei der Bahn und beim Bus ein verlässlicher Partner im Öffentlichen Verkehr und in so gut wie allen Regionen unterwegs. Projekte, die speziell auf die unterschiedlichen Segmente der Bevölkerung eingehen, sollen die Nutzung des Öffentlichen Personennahverkehrs noch verstärken. Beim Postbus wollen wir im Rahmen des Dialoges die Wünsche und Bedürfnisse von bestehenden und potentiellen Fahrgästen noch besser erkennen und entsprechend reagieren, um das Massenprodukt Öffentlicher Verkehr zu individualisieren. Nutzen und Vorteil des ÖV müssen für den Kunden deutlich spürbar sein, um ihn zum Umsteigen zu bewegen. Daher wird neben den Aspekten Umweltfreundlichkeit und Nachhaltigkeit vor allem auch intensive Kundenorientierung weiterhin verstärkt im Fokus unserer Aktivitäten stehen.“

Mikro-ÖV Konzept Burgenland einzigartiges Konzept

Öffentlicher Verkehr im Mikrobereich ermöglicht es in sehr dünn besiedelten Regionen, Geschäfte, Ärzte oder andere Alltagsziele ohne Auto erreichen zu können. In dünn besiedelten Regionen gibt es häufig keine fußläufig erreichbare Nahversorgung mehr. Supermärkte haben sich auf der grünen Wiese angesiedelt und sind meist nur mit dem Auto gut erreichbar. „Vor allem für ältere Menschen entstehen dadurch große Probleme. Das Mikro-ÖV Konzept Burgenland hat ein österreichweit einzigartiges System erarbeitet, welches die Versorgungsqualität mit Öffentlichem Verkehr jeder einzelnen Katastralgemeinde abbildet“, erklärt der Projektverantwortliche, Burgenlands Verkehrskoordinator Mag. Peter Zinggl. Das Modell ist die Grundlage für die Erarbeitung von weiteren Mikro-ÖV-Angeboten als Ergänzung zum Linienverkehr. Das Burgenland ist beim Thema Mikro-ÖV Vorreiter, so gibt es bereits seit mehreren Jahren den Gmoabus in Pöttsching und auch in Purbach, Breitenbrunn und Kleinmürbisch. Projektleiter Peter Zinggl wurde von Landeshauptmann Hans Niessl, dem VCÖ und ÖBB-Postbus der VCÖ-Mobilitätspreis Burgenland verliehen.

Dorfschattl: Hin- und Retourfahrt um 2 Euro

Wie gut Mikro-ÖV funktionieren kann, zeigt das zweite Siegerprojekt des VCÖ-Mobilitätspreis Burgenland, das „Dorfschattl-Schattendorf“. „Gemeindebusse  wie der zweite Gewinner Dorfschattl gibt es seit April 2006 in verschiedenen Gemeinden. Das Land hat dieses Projekt in der Pilotphase gefördert. Es freut mich sehr, dass diese Busse sehr gut angenommen werden. Damit wurde ein innovatives, zukunftsweisendes und auch bedarfsgerechtes Angebot geschaffen, womit die Lebensqualität steigt und ein Beitrag zum Klimaschutz geleistet wird“, erläutert Landeshauptmann Niessl.

Seit Oktober 2011 steht das Dorfschattl den Bewohnerinnen und Bewohnern von Schattendorf und Baumgarten werktags jeden Vormittag sowie vier Tage die Woche am Nachmittag zur Verfügung. „Das Dorfschattl funktioniert wie ein Taxi: Bei Bedarf wird die Nummer des Dorfschattl angerufen, die Hin- und Retourfahrt kostet in Summe nur zwei Euro. So können beispielsweise ältere Menschen ihre Einkäufe erledigen, Besuche machen oder den Arzt erreichen“, sagt Bürgermeister Johann Lotter. Zudem können Schülerinnen und Schüler, Pendlerinnen und Pendler sowie mobilitätseingeschränkte Personen das Dorfschattl auch außerhalb der fixen Fahrzeiten nutzen. Zusätzlich wird das Dorfschattl  bei Veranstaltungen, etwa bei Bällen eingesetzt. Mit 3.000 Euro sind die monatlichen Kosten gering. Partner ist ein privates Taxiunternehmen. Loter: „Im Jahr werden rund 420 Fahrten durchgeführt. Ein Vorteil ist auch, dass die Kaufkraft im Dorf bleibt. Und: Wir haben drei Arbeitsplätze geschaffen.“
Den VCÖ-Mobilitätspreis Burgenland nahmen Schattendorfs Bürgermeister Johann Lotter und die Taxiunternehmerin Waltraud Fuchs entgegen.

VCÖ-Bahntest: Burgeländer steigen auf die Bahn um

„Die Mobilität im Burgenland ist in den vergangenen Jahren bereits vielfältiger und klimafreundlicher geworden. Dieser Trend wird sich in Zukunft fortsetzen“, stellt VCÖ-Geschäftsführer Dr. Willi Nowak fest. Seit dem Jahr 2006 gehen im Burgenland die klimaschädlichen Treibhausgas-Emissionen des Verkehrs zurück. Die mit privaten Pkw gefahrenen Kilometer sind von 1,94 Milliarden Kilometer im Jahr 2006 auf rund 1,85 Milliarden Kilometer im Vorjahr gesunken. Auslöser der beginnenden Mobilitätswende waren die stark steigenden Erdölpreise und die in Folge höheren Spritpreise.
Dass die Burgenländerinnen und Burgenländer bei gutem Angebot bereit sind, vom Auto auf die Bahn umzusteigen, zeigt auch der diesjährige VCÖ-Bahntest: Jeder dritte Bahnfahrer aus dem Burgenland war heuer häufiger mit dem Zug unterwegs als im Vorjahr. 62 Prozent fahren gleich viel wie im Jahr davor. 37 Prozent der burgenländischen Fahrgäste fahren heute Strecken mit der Bahn, die sie früher mit dem Auto zurückgelegt haben. „Der Ausbau des öffentlichen Verkehrs hat für das Land Burgenland einen sehr hohen Stellenwert“, betont Landeshauptmann Hans Niessl.

Die Gewinner des VCÖ-Mobilitätspreis Burgenland

2013: Konzept „Mikro-ÖV“, Dorfschattl-Schattendorf
2012: Grenzenlos mobil am See
2011: Bikeline – Gemeinsam mit dem Rad zur Schule
2010: GreMo Pannonia
2009: Pedibus – Volksschule St. Georgen
2008: Gmoa-Bus Purbach
2007: Neusiedler See Bus
2006: IVAN Neusiedl   
2005: Discobus Burgenland

Bildtext Bild1 (v.l.n.r.): Peter Zinggl (Verkehrskoordinator Burgenland), Martina Jauck (Mobilitätszentrale Burgenland), Landeshauptmann Hans Niessl, VCÖ-Geschäftsführer Dr. Willi Novak, ÖBB-Postbus-Regionalmanager Alois Ometzberger, Bürgermeister Johann Lotter, und Waltraud Fuchs (Fuchsi Taxi)