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Klimafonds
Dossier
Wasserstoff

Round Table
Diskussions-Runde

Auf Initiative des Klima- und Energiefonds und der ASFINAG diskutierten namhafte Fachleute zukünftige Einsatzmöglichkeiten und Potenziale von Wasserstoff.

Stand: Jänner 2019

Welche Rolle kann Wasserstoff in Zukunft spielen? Wie kommen wir bei der Einführung voran? Welche Forschungsfragen sind noch offen? Und wie alltagstauglich ist das Thema bereits? Antworten auf diese und viele andere Fragen suchten namhafte ExpertInnen auf einem vom Klima- und Energiefonds und der ASFINAG veranstalteten und von Martina Ammer-Grausgruber vom Energieinstitut Linz moderierten Round Table. Nach der Begrüßung durch Klima- und Energiefonds Geschäftsführerin Theresia Vogel und ASFINAG-Vorständin Karin Zipperer (mittlerweile zurückgetreten) wurden zuerst in Kleingruppen Alltagserfahrungen ausgetauscht und Umsetzungshürden sowie potenzielle Handlungsfelder identifiziert. Anschließend wurden die Ergebnisse in großer Runde vorgetragen und diskutiert.

Round Table-TeilnehmerInnen

An der Diskussion nahmen neben Klima- und Energiefonds Geschäftsführerin Theresia Vogel und ASFINAG-Vorständin Karin Zipperer folgende Personen (in alphabetischer Reihenfolge) teil: Robert Adler (Managing Director bei der Maximator Advanced Technology GmbH), Johanna Atzmannstorfer (Head of Vienna Office bei der OMV), Klaus Fronius (Fronius International GmbH), Anna Huditz (Head of Technical Coordination bei der ASFINAG), Silvia Kaupa-Götzl (Geschäftsführerin der ÖBB-Postbus GmbH), Alfred Kappl (Vorstand der Airkraft AG), Manfred Klell (früherer CEO des HyCentA Hydrogen Center Austria – LINK ZUM INTERVIEW IM DOSSIER), Peter Prenninger (Corporate Research Coordination bei AVL), Hermine Resch (Geschäftsführerin der Spedition Herbert Temmel GmbH), Thomas Rührlinger (Business Development Hydrogen Solutions in der Business Unit Solar Energy bei der Fronius International GmbH), Hans-Jürgen Salmhofer und Henriette Spyra (beide von der Stabstelle Mobilitätswende & Dekarbonisierung im Generalsekretariat des Bundesministeriums für Verkehr, Innovation und Technologie), Horst Steinmüller (CEO des Energieinstituts an der Johannes Kepler Universität Linz), Alexander Trattner (neuer CEO des HyCentA Hydrogen Center Austria) und Gernot Wörther (Programmmanager beim Klima- und Energiefonds).

Statements der ExpertInnen

Im Anschluss an die Diskussion baten wir die Round-Table-Teilnehmerinnen und Teilnehmer in Form eines Statements um einen Blick in die Zukunft: Welche Rolle wird Wasserstoff im Jahr 2030 spielen? Und welche Rolle konkret im eigenen Geschäfts- und Verantwortungsbereich?

ANNA HUDLITZ, Head of Technical Coordination bei der ASFINAGWasserstoff als Antriebsalternative

„Die ASFINAG zählt zu Europas modernsten Straßenbetreibern und bietet innovative Services für Kundinnen und Kunden an. Als führendes österreichisches Infrastrukturunternehmen nehmen wir unsere Verantwortung gegenüber der Gesellschaft, den Menschen, der Wirtschaft und der Umwelt sehr ernst. Daher bekennen wir uns zum aktiven Klimaschutz und zur Dekarbonisierung. Wir unterstützen die Umstellung auf alternative Antriebssysteme und forcieren beim eigenen Energieverbrauch erneuerbare Energiequellen, unter anderem durch eine Umstellung unserer Anlagen und des Fuhrparks. Auch die Wasserstoff-Technologie spielt dabei eine große Rolle: durch die entsprechende Infrastruktur im höherrangigen Straßennetz werden wasserstoffbetriebene Fahrzeuge praktikabel und eine echte Alternative zum fossilen Antrieb.“

JOHANNA ATZMANNSTORFER, Head of Vienna Office bei der OMV
Neue Technologie noch nicht leistbar

„Der Energiemix der Zukunft wird vielfältig sein und die Rolle von Wasserstoff dabei an Bedeutung gewinnen. Die OMV kann im Bereich Wasserstoff auf breite Erfahrung aufbauen, denn Wasserstoff spielt für die Qualität unserer Raffinerieprodukte schon heute eine entscheidende Rolle. Bis zu 50.000 Tonnen Wasserstoff werden jährlich in der Raffinerie Schwechat in einer eigenen Anlage produziert. Wasserstoff eignet sich nicht nur als effizienter, umweltfreundlicher Energieträger – etwa in der Mobilität – sondern auch als Speichermedium. Wasserstoff wird deshalb eine Schlüsselrolle beim Ausbau von Strom aus erneuerbaren Energiequellen zukommen. Durch die Umwandlung von Strom aus erneuerbaren Energiequellen zu Wasserstoff beziehungsweise Methan (Power-to-Gas) und die Einspeisung ins bestehende Gasnetzwerk kann die bereits bestehende Infrastruktur sowohl zur Speicherung als auch zum Transport genutzt werden. Das Erdgasnetz in Kombination mit Wasserstoff könnte daher eine Lösung sein, um erneuerbare Energie flexibel und bedarfsorientiert nutzen zu können. Derzeit ist diese Technologie ohne politische Unterstützung bei den Rahmenbedingungen sowie entsprechende Förderungen allerdings noch nicht wirtschaftlich darstellbar und daher mit dem Grundsatz der Leistbarkeit noch nicht vereinbar.“

SILVIA KAUPA-GÖTZL, Geschäftsführerin der ÖBB-Postbus GmbH
Alle Partner müssen an einem Strang ziehen

„Die Vision ist klar: Postbus will seine Busse langfristig auf alternative Antriebe umstellen. Doch: Bis diese Vision verwirklicht ist, ist es ein langer Weg. Mit dem ersten Test eines Wasserstoffbusses in Österreich haben wir einen großen Schritt gesetzt – und eine Technologie für die Menschen greifbar gemacht. Die Signale für Wasserstoff stehen auf Grün. Jetzt müssen wir gemeinsam mit unseren Partnern dranbleiben und die Umsetzung eines Regelbetriebs mit Wasserstoffbussen vorantreiben. Es braucht dafür einen Ausbau der Infrastruktur: H2-Tankstellen und Elektrolyseanlagen für die Wasserstoffherstellung. Und natürlich Busse. Die Anschaffungskosten sind heute leider noch sehr hoch – daher brauchen wir Förderungen auf nationaler und auf EU-Ebene. Wenn alle Partner an einem Strang ziehen, steht einer Umsetzung dann nichts mehr im Weg – die Technologie kann sich bis 2030 so etablieren, dass sie auch in der Mitte der Gesellschaft ankommt. Für die Erreichung der nationalen und der EU-Klimaziele ist dies jedenfalls unumgänglich.“

HORST STEINMÜLLER, CEO des Energieinstituts an der Johannes Kepler Universität Linz
Bestehende Infrastruktur nutzen

„Die Diskussion hat sehr deutlich aufgezeigt, dass ‚grüner Wasserstoff‘ ein großes Potenzial bei der Implementierung von CO2-freier Mobilität aufweist. Besonders in den Bereichen Schwerlastverkehr und öffentlicher Verkehr, sowohl für Busse als auch für derzeit nicht elektrifizierte Bahnlinien ist der Einsatz von Wasserstoff in Brennstoffzellen sehr interessant. Als erster Schritt soll daher vorrangig der Einsatz von Brennstoffzellenbussen, deren Antriebsstrang in Österreich entwickelt wird, behandelt werden. Neben der Mobilität spielt ‚grüner Wasserstoff‘ und seine Weiterverarbeitung zu erneuerbarem Methan auch im Bereich der Strategie ‚Greening the Gas‘ eine wichtige Rolle, da die bestehende Leitungs- und Speicherinfrastruktur von Erdgas optimal genutzt werden kann.“

PETER PRENNINGER, Corporate Research Coordination bei AVL
Speicherung ist entscheidende Herausforderung

„Neben der CO2-neutralen Erzeugung von Energie aus erneuerbaren Energiequellen stellt deren Speicherung eine entscheidende Herausforderung dar. Speziell für die saisonale Speicherung bieten nur chemische Speichermedien ein ausreichendes Potenzial. Alle chemischen Speicherformen wie Wasserstoff, synthetisches Methan oder synthetische ,e-Fuels‘ basieren in einem ersten Schritt auf Wasserstoff, erzeugt mittels Elektrolyse aus Wasser. Wenn Wasserstoff in großem Maßstab zur Verfügung steht, dann wird dieser für stationäre und mobile Anwendungen in verschiedener Art genutzt werden. Dafür erforschen und entwickeln wir bei AVL hocheffiziente Elektrolyseverfahren, stationäre und mobile Brennstoffzellensysteme sowie Simulations-, Mess- und Prüftechnik für die Entwicklung dieser Technologien. Diese Produkte stellen bereits jetzt einen wichtigen Teil des Portfolios von AVL dar.“

HERMINE RESCH, Geschäftsführerin der Spedition Herbert Temmel GmbH
Unseren Fuhrpark alternativ antreiben

„Wasserstoff wird in den kommenden Jahren vermehrt im Transport eingesetzt und als idealer Energiespeicher genutzt werden. Bei Energieüberschuss – beispielsweise aus Solarenergie – wird mittels Elektrolyse Wasserstoff erzeugt, der bei Energiemangel wieder zur Stromerzeugung genutzt werden kann. Auch eine flächendeckende Infrastruktur wird bis 2030 vorhanden sein. Entscheidend für einen erfolgreichen Einsatz im Verkehr sind die Reichweiten beziehungsweise der Verbrauch und die kurzen Tankzeiten sowie der Preis für Wasserstoff. In unserem Bereich wollen wir bis 2030 den gesamten Fuhrpark von aktuell 160 Lkw alternativ antreiben. Auf Langstrecken und im Fernverkehr werden dabei aufgrund der Reichweiten mit Wasserstoff betriebene Lkw zum Einsatz kommen.“

HANS-JÜRGEN SALMHOFER und HENRIETTE SPYRA von der Stabstelle Mobilitätswende & Dekarbonisierung im Generalsekretariat des Bundesministeriums für Verkehr, Innovation und Technologie
Weitgehende Dekarbonisierung ist möglich

„In der Mobilität ist bis 2050 eine weitgehende Dekarbonisierung möglich. Der Einsatz fossiler Energieträger muss durch die Umstellung auf emissionsfreie Fahrzeuge und auf Energie aus erneuerbaren Quellen ersetzt werden. Zusätzlich zur direkten Elektrifizierung mittels Batterie oder Oberleitung wird für jene Anwendungen, die schwer elektrifizierbar sind, auch mit erneuerbarer Energie hergestellter Wasserstoff zum Einsatz kommen. Besonders interessant wird Wasserstoff in der Mobilität insbesondere im Bereich von schweren Nutzfahrzeugen und Bussen, der Landwirtschaft oder beispielsweise der Schifffahrt sein. Gerade die Sektorenintegration von beispielsweise der Stromwirtschaft, der Industrie und der Mobilität kann mithilfe von erneuerbarem Wasserstoff dazu beitragen, die Versorgungssicherheit auch in einem vollständig dekarbonisierten Wirtschafts- und Mobilitätssystem zu gewährleisten. Das BMVIT unterstützt in allen diesen Bereichen in der Energie-und Mobilitätsforschung als auch in der Überführung in die konkreten Anwendungen wie zum Beispiel im neu aufgelegten anwendungsnahen Forschungsprogramm ,Zero Emission Mobility‘.“

ALEXANDER TRATTNER, CEO des HyCentA Hydrogen Center Austria
Wasserstoff spielt eine Schlüsselrolle

„Grüner Strom und grüner Wasserstoff sind die einzigen emissions- und kohlenstofffreien Energieträger für die Energiewende zur Limitierung der Klimaerwärmung. Wasserstoff wird die Schlüsselrolle für den Ausbau der erneuerbaren Stromproduktion aus Wind, Wasser und Sonne einnehmen, da Energieüberschüsse genutzt sowie langfristige und effiziente Energiespeicherung kostengünstig ermöglicht werden. Wir bei der HyCentA Research GmbH beschäftigen uns ausschließlich mit Forschungs- und Entwicklungsprojekten zum Thema Wasserstoff und sind dabei vorrangig mit der Technologieforschung und -entwicklung in den Bereichen Erzeugung, Speicherung und Nutzung von Wasserstoff in elektrochemischen und thermischen Maschinen und Anlagen aktiv. Zudem verwirklicht das HyCentA Demonstrationsprojekte, wo lokal fossile Energieträger durch grünen Strom und grünen Wasserstoff ersetzt werden. Dies stellt eine exzellente Möglichkeit dar, um Forschung, Industrie und Bevölkerung die Vorteile von Energiewende und Wasserstoffwirtschaft erfahrbar zu machen.“

GERNOT WÖRTHER, Projektmanager und Controller beim Klima- und Energiefonds
Der Klimafonds ist ein wichtiger Partner

„Wasserstofftechnologien sind ein wichtiger Schlüssel für die Energiewende. Aufbringungsseitig wird es dadurch möglich, volatilen erneuerbaren Strom langfristig zu speichern. Anwendungsseitig können damit sowohl im Verkehrs- als auch im Wärme- und Industriebereich neue Einsatzfelder erschlossen und dekarbonisiert werden. Daher gehen wir davon aus, dass die Bedeutung des Wasserstoffs in den nächsten Jahren stark steigen wird. Der Klima- und Energiefonds unterstützt diese Entwicklung im Rahmen seiner Technologieforschungs- und Implementierungsprogramme und ist damit ein wichtiger Partner auf dem Weg in eine nachhaltige Zukunft.“

KLAUS FRONIUS von der Fronius International GmbH und THOMAS RÜHRLINGER, Business Development Hydrogen Solutions in der Business Unit Solar Energy bei der Fronius International GmbH
Wir wollen Lösungen bereitstellen

„Im Jahr 2030 wird Wasserstoff aus der Sicht von Fronius eine wesentliche Rolle in unterschiedlichen Lebensbereichen spielen. Ganz vorne steht dabei die Sektorenkopplung. Hier wird grüner Wasserstoff erzeugt und als Energieträger für die Mobilität und die Industrie genutzt. Besonders für Fahrzeuge mit höherem Energiebedarf wie Lkw oder kommunale Fahrzeuge wird Wasserstoff weltweit eine selbstverständliche Ergänzung in der Elektromobilität sein. Zahlreiche Kommunen und Gewerbebetriebe werden selbst grünen Wasserstoff herstellen, den sie für die eigenen Brennstoffzellenfahrzeuge nutzen. Wasserstoff wird im Jahr 2030 als saisonaler Speicher von erneuerbarem Strom eingesetzt werden. In vielen dieser Bereiche wird Fronius einen wesentlichen Beitrag leisten, um – ganz im Sinne der Vision von 24 Stunden Sonne – Lösungen bereitzustellen, um Sonnenenergie kosteneffizient und intelligent zu erzeugen, zu speichern, zu verteilen und zu verbrauchen. Schwerpunkte werden die dezentrale Wasserstofferzeugung mit Elektrolyse, die Nutzung in der Mobilität, die saisonale Speicherung und die Rückverstromung mit stationärer Brennstoffzelle sein.“