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Klimafonds
Dossier
Soziale Innovationen

Interview
„Wir bauen Brücken für Menschen, die sich engagieren wollen!“
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Zur Person
Susanne Hasenhüttl ist seit 2001 in verschiedenen Funktionen bei der Österreichischen Gesellschaft für Umwelt und Technik (ÖGUT) tätig und baute dort das Themenfeld „Nachhaltiger Finanzmarkt bzw. Grünes Investment“ auf. Aktuell ist sie außerdem Mitglied der Geschäftsführung von Crowd4Project, der Träger GmbH von Crowd4Climate. Crowd4Climate (LINK: https://www.crowd4climate.org/) wird von der der Crowd4Project GmbH geführt, einer gemeinsamen Tochtergesellschaft von Energy Changes und ÖGUT. Die Plattform konzentriert sich auf die Finanzierung nachhaltiger Klimaschutzprojekte weltweit mittels Crowdinvesting. Hier (LINK: https://www.crowd4climate.org/projekte) geht es zu aktuellen Crowdfunding-Kampagnen und bereits umgesetzten Projekten wie „Kleinwasserkraft am Wiener Neustädter Kanal” (LINK: https://www.crowd4climate.org/kleinwasserkraft), bei dem zwei Kleinwasserkraftwerke refinanziert wurden. Ein weiteres Beispiel: Das Projekt „Solarenergie für Vallalar“ (LINK: https://www.crowd4climate.org/vallalar) hatte die Energieversorgung einer Baumwollspinnerei in Indien mit Solarstrom zum Ziel.
„Der Finanzmarkt ist prinzipiell gut ausgestattet. Es geht in Zukunft vor allem darum, die Gelder vor dem Hintergrund der anstehenden Energiewende in die richtigen Bahnen zu lenken.“

Susanne Hasenhüttl von der nachhaltigen Crowdfunding-Plattform Crowd4Climate über die Kraft vieler Kleininvestor*innen, alternative Finanzierungsinstrumente und nachhaltige Investments mit hohen Renditen.

Stand: Jänner 2021

Frau Hasenhüttl, braucht es in Zukunft mehr und höhere Investitionen in die Energiewende, um die Pariser Klimaschutzziele zu erreichen? Oder geht es vielmehr um eine Umverteilung vorhandener Gelder in Richtung nachhaltigerer Projekte?
Klar ist, dass es in Zukunft noch mehr Investitionen für nachhaltige Projekte und Initiativen, für den Ausbau des öffentlichen Verkehrs und erneuerbarer Energien braucht als bisher, um die hochgesteckten Ziele erreichen zu können. Wie Sie richtig andeuten, wäre aber schon viel geholfen, wenn das vorhandene Geld vermehrt in die richtigen Bahnen gelenkt werden könnte. Der Finanzmarkt ist aus meiner Sicht gut ausgestattet, es geht daher nun auch darum, mit den vorhandenen Geldern das „Richtige“ zu finanzieren …

… und wie mit ihrer Crowdfunding-Plattform Crowd4Climate auch Finanzierungen für Projekte zu ermöglichen, die am klassischen Finanzmarkt keine Chance hätten?
Genau. Investor*innen können sich bei uns mit vergleichsweise kleinen Beiträgen an ausgewählten Klimaschutz- und Energieprojekten beteiligen. Damit bedienen wir eine kleine, aber feine Nische zwischen den bewährten Finanzierungsinstrumenten und ermöglichen auch Projekten eine Finanzierung, die sonst aus unterschiedlichsten Gründen möglicherweise keine Gelder bekommen würden. Wir springen also dort ein, wo das Volumen, die Risikoerwartung, die Laufzeit oder die erwartete Rendite klassischer Finanzierungsinstrumente nicht mit einem konkreten Vorhaben unter einen Hut zu bringen sind.

Ab welchen Beiträgen können sich Investor*innen engagieren?
Bei uns sind Investor*innen ab 250 Euro dabei, im Durchschnittlich investieren sie rund 1.000 Euro. Damit sind wir weit weg von klassischen Geldanlagen, die Investments bewegen sich also in einem vergleichsweise überschaubaren Rahmen.

Allerdings versprechen die Projekte eine hohe Rendite.
Es ist ja auch das Risiko höher. Bei Crowdinvestments handelt es sich um Risikoinvestitionen, die im schlimmsten Fall zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals führen können. Das ist wichtig zu wissen, und darauf weisen wir Investor*innen auch explizit hin. Das höhere Risiko wird mit höheren Renditechancen belohnt.

Aus welchen Gründen investieren Menschen bei Crowd4Climate? Geht es dabei vor allem um die hohen Renditemöglichkeiten oder stehen andere Gründe im Vordergrund?
Natürlich sind manche Investor*innen vor allem am Instrument und den hohen Zinsen interessiert. Für sehr viele stehen aber der soziale Ansatz und der Nachhaltigkeitsaspekt im Vordergrund. Sie wollen ganz bewusst in diesen Bereich investieren und sind in vielen Fällen auch durchaus überrascht, dass sie dafür so hohe Zinsen bekommen.

In welchem Rahmen bewegen sich die finanzierten Projekte?
Crowd4Climat ist noch eine vergleichsweise kleine Plattform. Insgesamt wurden bislang zehn Projekte mit Volumina von 60.000 bis 300.000 Euro finanziert. Bei kleineren Projekten wäre der Aufwand zu groß, bei größeren Projekten arbeiten wir aktuell mit ähnlich ausgerichteten Plattformen etwa in Deutschland zusammen. In Zukunft wollen wir auch alleine größere Projekte stemmen können, aber dafür braucht es ein noch größeres Netzwerk, das wir uns erst aufbauen müssen.

Wie erfolgreich waren die bislang umgesetzten Projekte?
Wir haben bislang bei allen Projekten das Finanzierungsziel erreicht, und ein Projekt wurde auch bereits positiv abgeschlossen. Bei einem anderen Projekt läuft leider ein Insolvenzverfahren, da ist der Business Plan nicht aufgegangen. Das kann bei Risikoinvestments immer passieren. Wichtig ist es, in so einem Fall klar zu kommunizieren und die Fakten transparent auf den Tisch zu legen – dann ist dafür auch bei den Investor*innen Verständnis gegeben.

Wo genau liegt nun die soziale Innovation bei Crowd4Climate?
Es ist prinzipiell kein neuer Gedanke, dass viele Menschen gemeinsam mit kleinen Beiträgen zum Gelingen eines großen Vorhabens beitragen. Die Ausgestaltung in Form eines Crowdinvestings ist aber vergleichsweise jung und ermöglicht auch Personen ohne viel Geld die Unterstützung grüner und nachhaltiger Projekte. Es gibt viele Menschen, die sich in diese Richtung engagieren möchten, denen bislang aber der Zugang und die Möglichkeiten fehlten. Wir bauen diesen Menschen nun gewissermaßen eine Brücke und ermöglichen ihnen, sich einfach und unkompliziert auch mit kleinen Beiträgen einzubringen.

Und das in konkrete Vorhaben, oder? Die Menschen wissen ganz genau, in welche Projekte sie investieren.
Das kommt noch dazu, ja. Wenn man sein Geld am Sparbuch liegen lässt, bekommt man im Regelfall keinerlei Information, wie die Bank das Geld veranlagt und auch bei Fonds und anderen Finanzanlagen sind die Informationen nicht immer eindeutig. Bei uns ist das deutlich transparenter. Da weiß man ganz genau, für was das Geld verwendet wird und welches Ziel damit erreicht werden soll.

Führt Crowd4Climate damit letztlich zu einer Verschiebung der Investitionen weg von anderen nachhaltigen Projekten oder können damit auch neue Gelder mit Blickrichtung Energiewende gewonnen werden?
Schwer zu sagen, wobei wir schon den Eindruck haben, dass es sich um zusätzliche Mittel handelt. Viele Leute engagieren sich bei uns mit kleinen Beiträgen, die sie alternativ wohl kaum in andere Investments stecken würden. Dazu kommt: Die meisten unserer Investor*innen wollen nicht zur Bank gehen, sich dort beraten lassen und letztlich in einen vergleichsweise anonymen Fonds investieren. Sie suchen vielmehr nach ganz konkreten Umsetzungen, mit denen sie sich identifizieren und mit denen sie nachhaltig etwas bewegen können. Letztlich sind unsere Crowdinvestings damit nichts anders als eine Art von Bürger*innenbeteiligung – die eben nicht lokal umgesetzt werden, sondern möglicherweise am anderen Ende der Welt.

Konzentriert sich Crowd4Climate dabei auf bestimmte Länder oder Projekte?
Die Projekte müssen den Klimaschutz- und Energiebereich fokussieren, alle Formalkriterien erfüllen und einer eingehenden Prüfung standhalten, damit sie für uns in Frage kommen. Ob es dann aber um die Übernahme und den Weiterbetriebs eines Bioenergieparks in der Nähe von München geht, oder um den Aufbau einer Photovoltaik-Großanlage zum Ersatz zahlreicher Diesel-Aggregate auf der tropischen Tourismus-Insel Koh Rong, ist nebensächlich. Wir haben neben den beiden Projekten auch die Errichtung von PV-Anlagen auf mehreren Standorten der Firma Berglandmilch in Österreich finanziert. Ebenso aber auch den Austausch des alten Beleuchtungssystems am Campus einer Fachhochschule in Brasilien durch hocheffiziente LED-Leuchten und den Ankauf eines mobilen Solarkraftwerks zur Energieversorgung eines Dorfs in Mali.

Welche Ziele verfolgen Sie mittel- bis langfristig mit Crowd4Climate?
Die Plattform ist gut angelaufen, das Interesse steigt. Erstmals finanzieren wir nun auch mehrere Projekte parallel. Diesen Weg gilt es nun weiter fortzusetzen. Schritt für Schritt wollen wir Umfang und Qualität weiter steigen, gleichzeitig aber auch das Vertrauen einer wachsenden Community nicht verlieren und weiter ausbauen. Da sind wir prinzipiell auf einem sehr guten Weg.

Inwieweit hat die Corona-Pandemie die Entwicklung der Plattform und einzelner Projekte gebremst?
Unserer Tätigkeit läuft davon unbeeinflusst weiter. Bei den Projekten wurden aber natürlich Zeitpläne durcheinandergewürfelt und Umsetzungen verschoben. Reise- und Lieferbeschränkungen, Produktionsstopps und all die anderen Auswirkungen von Corona haben dazu geführt, dass Projekte nicht in der geplanten Zeit realisiert werden konnten. Sie mussten aber auch nicht abgesagt werden, sie dauern nun einfach etwas länger. Insofern hatte und hat Corona natürlich Auswirkungen – eine langfristige Delle erwarten wir dadurch aber nicht.