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Klimafonds
Dossier
Blackout

Statement
„Wir müssen dezentrale Einheiten schaffen“

Gastkommentar von Herbert Saurugg, Blackout-Experte und Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Krisenvorsorge.

Ein europaweiter Strom-, Infrastruktur- sowie Versorgungsausfall (Blackout) ist nicht nur ein Schreckgespenst, sondern eine sehr reale Gefahr. Denn das europäische Stromversorgungssystem befindet sich in einer fundamentalen Umbruchsphase. Das bisher verlässlichste Stromversorgungssystem der Welt wurde für einfach berechenbare und steuerbare Großkraftwerke errichtet und sehr erfolgreich betrieben. Durch die Energiewende und den Ersatz von Großkraftwerken durch eine Vielzahl an Erzeugungsanlagen mit einer sehr volatilen Erzeugungscharakteristik sowie durch die steigende Anzahl von Akteuren, die im Strommarkt oder als Prosumer mitmischen wollen, steigt die Komplexität und damit Störanfälligkeit des Systems, wo permanent die Balance zwischen Erzeugung und Verbrauch sichergestellt werden muss, enorm. Komplexe Systeme verfügen über dehnbare Toleranzgrenzen. Werden diese jedoch überschritten, kommt es zum abrupten Zusammenbruch.

Aus den Komplexitätswissenschaften wissen wir, dass lebensfähige komplexe Systeme immer eine zellulare Struktur aufweisen. Alles Lebendige ist in zellularen Strukturen organisiert: vom Einzeller bis zum Menschen. Das hat sich offensichtlich evolutionär bewährt und durchgesetzt. Daher ist es notwendig, auch das Stromversorgungssystem wieder als Ganzes zu betrachten. Einseitige Systemänderungen, wie sie derzeit betrieben werden, werden absehbar schiefgehen. Denn ein System ist mehr als die Summe seiner Einzelelemente.

Mit einem Energiezellensystem und dezentralen funktionalen Einheiten können bottom-up sowohl die Robustheit des Stromversorgungssystems als auch die der Gesellschaft erhöht werden. Und das im laufenden Betrieb. Störungen können sich nicht mehr einfach großflächig ausbreiten. Eine definierte Notversorgungsfähigkeit ist Teil des Energiezellenkonzeptes. Das ist zwar nicht so effizient wie das bisherige großtechnische System. Die erwartbaren Schäden und Kosten im Störungsfall können jedoch deutlich reduziert werden. Dabei geht es nicht um ein „Entweder-oder“, sondern um ein „Sowohl-als-auch“. Beides in einem. Energiezellen sorgen für einen möglichst dezentralen Ausgleich. Probleme werden dort gelöst, wo sie auftreten. Die Menschen werden aktive Teile der Zelle und damit der Energiewende. Der Kreis schließt sich.